Auge in Gips

Auge in Gips
Acrylfarbe und Gips auf Leinwand

An anderer Stelle habe ich bereits erwähnt, dass ich eigentlich vom Malen zum Fotografieren gekommen bin. Mittlerweile bin ich ein gutes halbes Jahr mit der Kamera unterwegs, davon seit etwa 3 Monaten recht intensiv. In diversen Blogs und Foren sind mir während dieser Zeit viele verschiedene Fotografen begegnet und deren Ansätze zum Verständnis ihrer Fotos sind ebenso vielfältig wie ihre Fotos selbst.

Das hat mich zu Überlegungen gebracht, wo ich denn nun selbst mit meiner Fotografie hin möchte, ob ich das Fotografieren als Kunst verstehe, wenn auch eine, in der ich noch sehr viel lernen muss oder ob das Künstlerische für mich doch eher in der Malerei liegt.

Unabhängig aller Unterkategorien gibt es doch zwei grundsätzliche Philosophien des Fotografierens, die eher künstlerische, die Verfremdungen und mehr oder weniger starke Bildbearbeitung anwendet oder die „Guck-mal-da“-Variante, die Momente, Details oder Eindrücke sichtbar machen und zeigen möchte. Jenseits aller Überschneidungen sehen die Fotografen, die ich kennenlernen durfte, ihr Treiben entweder eher als dokumentarische oder aber mehr als künstlerische Tätigkeit.

Welche Philosophie packt Ihr in Eure Kameratasche? Wie stark bearbeitet und verfremdet Ihr Eure Fotos? Hat sich das mit der Zeit Eurer Fotografiererei geändert?

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Philosophie im Handgepäck

10 Gedanken zu “Philosophie im Handgepäck

  1. Hallo Alexandra,
    ich möchte das Foto gerne so präsentieren, wie ich es gemacht habe. Nachbearbeitung findet bei mir lediglich hinsichtlich der Schärfe, Tonung und Helligkeit/Kontrast statt. Zu starke Bearbeitung gefällt mir eher weniger. Mir ist es wichtig Dinge festzuhalten, die andere mit ihren Augen vielleicht nicht sehen oder wahrnehmen, obwohl sie an der Stelle vorbei laufen. Mit Makros beispielsweise hält man Details fest, an denen der Normalbürger ungeachtet vorbei läuft. Mit Fotografien aus speziellen Bildwinkeln zeigt man Orte oder Gegenstände aus einer anderen Perspektive.
    Die Kunst im Foto liegt meines Erachtens am Auge des Fotografen, der es versteht, simplen und einfachen Dingen mit seinem Foto einen gewissen „Aha!“-Effekt zu verleihen.
    Wenn Du mich fragst wie ich meine Fotografiererei sehe: Als „kunstvolle Dokumentation“. 🙂

    • Hm, ja, das deckt sich etwa mit meiner eigenen Einstellung. Mit dem Wort „kunstvoll“ vor Dokumentation bin ich noch eher etwas zurückhaltend, aber meine Fotos sind auch mehr ein „Ach, guck mal da, wie schön (wahlweise auch interessant)“. Ich freu‘ mir jedes Mal ein Loch in den Bauch, wenn ich nur ganz wenig beschneiden und korrigieren muss 🙂

      Dennoch habe ich auch schon stark verfremdete Fotos gesehen, die richtig was hergemacht haben. Auch das finde ich absolut legitim, allerdings würd‘ ich’s dann mehr als Malerei mit anderen Mitteln benennen.

  2. Hallo Alexandra,

    ich probiere einfach aus und will mich auch gar nicht auf eine bestimmte Richtung festlegen, da ich mit dem Fotografieren noch ganz am Anfang stehe (und mich gerne selbst überraschen möchte:)).

    Manchmal steht das Motiv – das zu sehende Detail – im Mittelpunkt, ich bearbeite dann fast nichts, denn es soll für sich selbst sprechen.

    Manchmal möchte ich eine Stimmung transportieren oder ein Gefühl, z.B. Sehnsucht, Nostalgie, Dunkelheit, Einsamkeit usw. Dann versuche ich, dies mit Hilfe bestimmter Filter und Effekte zu untermalen.

    Für mich ist es nicht so wichtig, wie stark ein Foto bearbeitet ist oder auch nicht und ob es technisch perfekt ist. Hauptsache, es ruft bei mir eine Empfindung hervor.

    Liebe Grüße, Mimi

  3. ca 3 Wochen lang bin ich mit einem Profiphotograph (Landschaften) unterwegs gewesen. Er reiste durch die Gegend und stellte sich die Photos vor, die er machen wollte. Dann suchte er sich die Kriterien zusammen, die es brauchte, um dieses Photo machen zu können – wie weiss ich nicht, aber er wusste genau, wann es so weit war, fuhr zielgerichtet hin, baute das Material auf, machte das Phpte, baute ab und war weg. 1/2 Stunde unspektakiäre aber konzentrierte Arbeit standen in keinem Zusammenhang mit den gemahlt, und komponiert wirkenden spektakulären Bilder.

    Er selbst, bearbeitete nicht nach und warf nur ein kurzen Blick auf die das Original völlig verfremdenden Veröffentlichungen der Verlage. Er hatte nur ein Beispiel, das „besser“ war, als das Original.

    Ein anderer drückte es so aus: „Es gibt beides. Du arbeitest anders beim Photo machen, mit dem Ziel es so oder so zu machen, Und es gibt gute Gründe, das eine über die eine Form oder andere auszudrücken. Wenn es zielgerichtet gemacht wurde – dann ist es gut. Wenn es sich ergibt (irgendein Bild nehmen und mal ausprobieren), dann ist es Picasso.“

    Persönlich nehme ich die Verfremdung meist zum Bestimmen der Qualität des Photos und lernen her.

  4. Ich lerne meine Kamera ja gerade erst wirklich kennen und bin an das Fotografieren an sich schon immer eher mit so einer: „So ich mache jetzt Kunst- Haltung“ gegangen.
    Zum Einen, weil ich früher schon mit so einer Schnappschuss APS-Kamera und jugendlicher Ungeduld sowieso immer ein Farbenmeer in unterschiedlicher Verdünnung fabrizierte und zum Anderen, weil ich das Gefühl habe etwas „unnatürliches“ zu tun.
    Also die Kamera trennt mich ja eigentlich fast maximal von dem, was ich dort sehe. Wenn ich das malen würde, wäre ich näher dran.

    Jetzt ist es so, dass ich manchmal aus meinen Fotos Kunst mache, wenn sie sehr verwackelt- von der Grundform oder Zusammenstellung aber toll sind. Da kurble ich so virtuos an Belichtungsregulation, Farben und Schärfe- färbe ein und drehe… wie ich das im Malen/Werken auch machen würde.

    Wenn ein Foto aber in sich gut ist, hebe ich nur die Kontraste etwas an. Dann geht es mir auch eher darum zu sagen: „Guck mal- das lag da so rum“.

    (Vielleicht noch zur Kunst an sich.
    Ich bin nie gut gewesen im (Hyper)-Realistischem Zeichnen oder Malen- die Impression und Abstraktion liegt mir näher. Die Fotografie „macht“ gerade, dass ich mutiger werde, beides zu vermischen. Wenn ich Fotokunst mache, habe ich ja diese Realistik in der Regel da. So als Grundlage. Und darauf kommt dann mein Kunstgefühl zum Tragen.
    Eine Entwicklung,mit der ich so gar nicht gerechnet habe, als ich anfing PhotoScape zu erkunden.)

    Viele Grüße

  5. Hier möchte ich auch noch mal kurz „meinen Senf dazugeben“. Augen – die haben für mich etwas ganz besonderes. Sie sind ein Spiegel der Seele. Auch wenn sie, aus meinen Erfahrungen heraus – bei sehr geschicktem Schauspielern – lügen können. Mich faszinieren Augen – gemalt oder fotografiert, in „real“ sowieso. Und dieses „Gemälde“ hier von dir finde ich sehr faszinierend, vielleicht weil das Auge im Werk dominiert.

  6. Welche Philosophie in meine Kameratasche packe? Das ist völlig unterschiedlich. Zumeist ist die „momentane“ Philosophie ja bereits durch das vorhandene Objektiv mehr oder weniger vorbestimmt. Wenn ich mein Macro mitnehme, habe ich ja völlig andere Absichten, als wenn ich in Weitwinkel oder Telezoom verwende. Mit einer Landschaftsaufnahme kann ich ja sehr viel experimentieren, sei es bereits bei der Aufnahme, sei es dann später bei der Bearbeitung mit Photoshop. Mit dem Macro hingegen lege ich mich sehr früh fest, dass ich etwas festhalten möchte, was so mit dem bloßen Auge gar nicht wahrzunehmen ist. Hier geht es also um die nach Möglichkeit perfekte Wiedergabe dessen, was ich mit dem Macro erforsche. Hier dann „Verfremdungen“ einzubringen wäre kontraproduktiv. Bei geplanten Fotomontagen hingegen sind der Phantasie keinerlei Grenzen gesteckt.

    Also, am liebsten nehme ich in meinem Kamera-Rucksack ALLES mit. So kastriere ich nicht meine kreativen Momente und kann meine Philosophie quasi „motivgesteuert“ variieren.

  7. Pingback: Wieviel Farbe braucht ein Foto? | AleXandra fotografiert

  8. Hallo Alexandra, da das Fotografieren mein Hobby ist, fotografiere ich, was mir gefällt und berührt. Meist nehme ich nur ein Objektiv mit wegen der Tragerei 🙂 Ich verdiene kein Geld damit, stehe nicht unter Druck und entscheide selbst, was ich der Welt zeigen möchte. Das ist doch fotografische Freiheit, oder!?
    Dein Bild mit dem Auge gefällt mir sehr. Blau auf weiß hat eine tolle Wirkung!

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